Jugendbeteiligung in Bielefeld – gelebte Demokratie

Beteiligung belebt und inspiriert unsere Stadtgesellschaft. Ein modernes und vielfältiges Bielefeld ist ohne Beteiligung nicht denkbar. Die Beteiligung bzw. Partizipation der Einwohnerinnen und Einwohnern ist der Stadt Bielefeld darum ein besonderes Anliegen. In diversen Arbeitszusammenhängen und mit unterschiedlichen Kooperationspartnern möchte die Stadt die Grundlagen und positive Bedingungen für eine gelingende Partizipation schaffen.

Die Bildungsregion Bielefeld formuliert im Leitbild Bildung einen breiten Bildungsbegriff. Vor diesem Hintergrund steht auch gesellschaftliche Teilhabe im Fokus; Beteiligung und Partizipation sind zentrale Arbeitsfelder der Bildungsregion. Besonderes Augenmerk wird bei auf die Gruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gelegt: Wie leben und erleben sie demokratische Werte und gemeinwohlorientiertes Handeln in ihrer Stadt? Wie und in welchem Maße werden ihre Erfahrungen und Anliegen in Diskussions- und Entscheidungsprozesse einbezogen? 

Das Bildungsbüro, als koordinierendes und operatives Organ der Bildungsregion, arbeitet im Themenfeld ´Jugendbeteiligung` mit kommunalen Bildungsakteuren zusammen und pflegt dabei insbesondere den engen Kontakt zur Schullandschaft inkusive der Schulsozialarbeit – und natürlich zu den Kindern und Jugendlichen selbst!

Zentrale städtische Partner sind dabei das Jugendamt und das Kommunale Integrationszentrum.  Wichtige kommunale Kooperationen bestehen auch mit dem Bielefelder Jugendring e.V., der Sportjugend Bielefeld und der BezirksSchülerInnenVertretung Bielefeld (BSV) sowie mit einer Vielzahl weiterer Gruppen. Seit Anfang 2021 gehört zu diesem Netzwerk auch die Jugendinitiative ´Jugendbeteiligung Bielefeld`, ein Verbund junger Menschen, die sich für ein jugendgerechtes Bielefeld engagieren und u. a. politische Mitsprache fordern. 


Am 26.9.2021 findet in Deutschland die Bundestagswahl statt. Es gibt sie alle vier Jahre, und es geht dabei vor allem darum, welche Politiker*innen die Menschen in Deutschland im Bundestag vertreten sollen.

Bei der Wahl kann jede*r Deutsche ab 18 Jahren mitmachen! Das heißt also auch: Je mehr junge Menschen bei der Wahl mitmachen, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Themen, die für Jugendliche oder junge Erwachsene wichtig sind, in der Politik vorkommen und besprochen werden.

Die Wahlberechtigten (deutsche Staatsbürger ab 18 Jahre) bekommen einen Stimmzettel, auf dem jeder zwei Kreuze machen darf. Mit der Erststimme wählt man eine/n bestimmte/n Kandidatin / Kandiaten einer Partei aus dem Wahlkreis, in dem man wohnt. Der / die Kandidat*in mit den meisten Stimmen in einem Wahlkreis hat einen Platz im Bundestag sicher. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Die Partei mit den meisten Stimmen darf auch die meisten Politiker*innen in den Bundestag schicken.

Im Bundestag werden Entscheidungen diskutiert, die ganz direkt deinen/Ihren Alltag betreffen! Dort werden zum Beispiel neue Gesetze beschlossen, die dann für alle Menschen in Deutschland gelten. Der Bundestag genehmigt auch Verträge mit anderen Staaten, zum Beispiel die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Außerdem entscheidet der Bundestag über finanzielle Ausgaben, zum Beispiel für neue Verkehrswege, und über den Einsatz der Bundeswehr. Der Bundestag wählt zudem in geheimer Abstimmung den / die Bundeskanzler*in und kontrolliert die jeweils amtierende Regierung.

Hilfreiche Informationen rund um die Bundestagswahl, wie das Wählen funktioniert und wie und wo man sich über die verschiedenen Parteien und ihre Programme schlau machen kann, sind hier zusammengestellt:

Weitere Infos im Heft ´einfach POLITIK: Bundestagswahlen´


Jugendbeteiligung in Bielefeld

Die Bildungsregion möchte Jugendbeteiligung in Bielefeld jugendgerecht, d.h. zusammen mit Kindern und Jugendlichen, gestalten. Dabei wird auf Vernetzung und gemeinsames Handeln der verschiedenen Beteiligungsakteure in der Stadt gesetzt. Darum arbeitet das Bildungsbüro auf breiter Basis mit ganz unterschiedlichen Menschen, Gruppen und Institutionen zusammen und sind in verschiedenen Kooperationsprojekten und Beteiligungsprozessen aktiv.

Aktuelle Kooperationspartner:

  • ´Eigenständige Jugendpolitik in kommunaler Verantwortung` – zusammen mit Jugendamt und Bielefelder Jugendring e.V.
  • ´Tag der Demokratie für Bielefelder Schulen` – zusammen mit Sportjugend Bielefeld e.V.
  • ´Jugendparlament für Bielefeld?!` – zusammen mit Jugendbeteiligung Bielefeld
  • ´Open Area` – ein partizipatives Sportprojekt – zusammen mit Sportjugend Bielefeld e.V. und ´Angekommen in deiner Stadt` Bielefeld
  • ´Freiwilligendienst im Beteiligungsmanagement` – Öffentlichkeits- & Lobbyarbeit für und mit Kindern & Jugendlichen

Aktuelle Themenfelder:

  • Kinderrechte
  • Kinder- & Jugendbeteiligung als Querschnittsaufgabe
  • Jugendpolitik
  • Demokratiebildung
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung

Jugendbeteiligung – Was ist das?

Jede*r Jugendliche hat eigene Wünsche, Ideen und Interessen. Aber obwohl junge Menschen diejenigen sind, die in der Zukunft mit den Entscheidungen, die die Erwachsenen in der Politik treffen, leben müssen, ist es nicht selbstverständlich, dass die Themen der Kinder und Jugendlichen von den Menschen, die „das Sagen“ haben, auch wirklich gehört werden. Im Sozialgesetzbuch der Bundesrepublik ist zwar geregelt, dass Kinder und Jugendliche ihre Anliegen mitteilen und sich in ihrem Sinne aktiv in Politik und Gesellschaft beteiligen dürfen. Echte Jugendbeteiligung ist aber bisher noch die Ausnahme und findet eher punktuell statt.

Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf ihre Rechte im Verwaltungsverfahren […] hinzuweisen.“ – SGB VIII §8

„Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“ – SGB VIII §11


Häufig werden die Begriffe Teilhabe und Partizipation synonym („bedeutungsgleich“) gebraucht. Mit anderen Worten: Viele Menschen glauben, dass es keinen Unterschied zwischen den Worten gibt. Dies liegt auch daran, dass das englische Wort „participation“ in der originalen Version der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Deutschen mit „Teilhabe“ übersetzt wurde. Dennoch unterscheiden sich beide Begriffe:
Während Teilhabe laut der Welt-Gesundheits-Organisation (World Health Organisation: WHO) das „Einbezogensein in eine Lebenssituation“ bedeutet, ist Partizipation mehr als das. Partizipation bedeutet Mitwirkung: Beteiligung von Menschen an Entscheidungsprozessen und Einflussnahme auf das Ergebnis. Ein Beispiel für Teilhabe ist, wenn Menschen mit Behinderungen barrierefrei ein Gebäude betreten können. Ein Beispiel für Partizipation ist, dass sie bei der Planung des Gebäudes mitentschieden haben. Es ist eben ein Unterschied, ob man im Nachhinein oder von Anderen in eine Lebenssituation einbezogen wird, oder ob man eine Lebenssituation von vorne herein selbst mitgestaltet.

Partizipation meint also Mitbestimmung. Diese ist von Teilhabe und von Selbstbestimmung abzugrenzen. Während Mitbestimmung immer Entscheidungen in einem gemeinschaftlichen Zusammenhang meint, bedeutet Selbstbestimmung die Möglichkeit, selbst über Fragen des eigenen Lebens zu entscheiden. Selbstbestimmung ist eine zentrale Bedingung für Partizipation. Gleichzeitig entwickeln sich aus partizipativen Prozessen mehr Möglichkeiten für Selbstbestimmung. Beide Begriffe sind aber nicht zu verwechseln.

Partizipieren meint also aktives Mitgestalten, welches über individuelle Entscheidungsspielräume hinausgeht. Um es anhand eines aktuellen Beispiels zu verdeutlichen: Im Sozialgesetzbuch Neuntes Buch gibt es seit 2018 die neue Leistungsgruppe „Leistungen zur Teilhabe an Bildung“. Gemeint ist die Möglichkeit, Bildungsangebote und -einrichtungen auch als Mensch mit Behinderungen wahrnehmen zu können. Partizipation an Bildung wäre es erst dann, wenn Menschen mit Behinderungen die Bildungsangebote und -institutionen mitgestalten könnten.

Quelle: Teilhabeberatung