Bildungsbündnis „Alle Kinder mitnehmen“

Bielefelder Schulen, die Stadt und die Universität haben mit dem Verein TABULA e.V. das Netzwerk „Alle Kinder mitnehmen“ aufgebaut. Das gemeinsame Ziel: Alle Kinder sollen sich und ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln können.

Dies spiegelt sich auch im Leitbild der Bildungsregion Bielefeld: „BILDUNG³ in Bielefeld – gerecht ganzheitlich gemeinsam“, in dem Bildungsgerechtigkeit ein Leitziel ist.

Die Erfolge dieses Bildungsbündnisses zeigen, dass Bildungsungerechtigkeit durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Kräfte begegnet werden kann. Die Arbeit und das Netzwerk sollen weiter verstetigt und ausgeweitet werden. Denn das leitende Ziel ist Bildungsgerechtigkeit. Der Begriff Bildung ist dabei, wie auch im Leitbild der Bildungsregion, ganzheitlich gefasst und beinhaltet ausdrücklich auch außerschulische Lerngelegenheiten.


Wie bereits 2020 musste auch die diesjährige Osterferienschule in Präsenz aufgrund einer sich verschärfenden Pandemieentwicklung für 61 angemeldete Kinder und Jugendliche kurzfristig abgesagt werden. Geplant waren sechs Angebote aus den Bereichen Natur und Tiere, Bauen und Basteln, Selbstbehauptung sowie Sport.

Trotz dieser Absage wurden kurzfristig digitale Alternativprogramme auf die Beine gestellt. Alle angemeldeten Kinder und Jugendlichen wurden kontaktiert und konnten sich für eine digitale Sportgruppe sowie für das Angebot ´Frühling in Bielefeld` entscheiden. Die Mädchen der Gruppe ´Mädchenpower / Selbstbehauptung` erhielten zudem ein Paket mit zahlreichen Materialien, Anregungen und Überraschungen per Post. Die Gruppen trafen sich ergänzend täglich per Videokonferenz. Kinder und Jugendliche, denen keine geeignete digitale Ausstattung dafür zur Verfügung stand, erhielten für den Zeitraum der Ferienschule leihweise iPads vom Amt für Schule der Stadt Bielefeld.

Frühling in Bielefeld

Den angemeldeten Teilnehmer/innen wurden jeweils für eine Woche eine spannende Abwechslung aus Basteln, Quiz und Bewegung geboten. So haben sie beispielsweise gemeinsam Blumen gepflanzt, Steine gesammelt und anschließend bemalt und ihr Wissen über die Tiere aus Olderdissen in einem interaktiven Quiz getestet. Damit alle die gleichen Voraussetzungen hatten, wurden im Vorfeld reichhaltig gepackte Rucksäcke mit Bastelmaterial an die Kinder ausgeteilt.

Die Abwechslung aus Online-und Offlinezeiten und das gemeinsame Basteln und Quizzen kamen sehr gut bei den Teilnehmer/innen beider Gruppen an.

Sport Digital

In der ersten Ferienwoche gab es für die Sportgruppe einen gelungenen Mix aus Bewegung und Entspannung. Zu Beginn der Woche wurde die wichtige Bedeutung von Sport für den Körper und das Wohlbefinden thematisiert. Mit diesem Bewusstsein haben sie gemeinsam einen Tanz eingeübt, ein Workout absolviert, einen Bewegungswürfel gebastelt und ausprobiert und viele Sporteinheiten durchgeführt. Zur Entspannung wurde eine Traumreise gemacht. Diese erwies sich im Laufe der Woche als besonders beliebt.

Spannung, Spass und Herausforderungen

Fast 50 Kinder und Jugendliche haben – trotz erschwerter Corona-Bedingungen – in den Herbstferien 2020 an den TABULA Ferienschulen teilgenommen. Corona-bedingt mussten, wie bereits in den Sommerferien, sämtliche Gruppen kleiner sowie die Zeiten der Angebote kürzer gestaltet werden. Das verschärfte Infektionsgeschehen stellte die Betreuer*innen in den Herbstferien vor Herausforderungen und erforderte kurzfristige Improvisationen. Trotz aller Widrigkeiten konnten gemeinsam mit den Kooperationspartnern sieben abwechslungsreiche und spannende Ferienschulen erfolgreich durchgeführt werden.

Das Konzept aller Ferienschulen im Projekt „Alle Kinder mitnehmen“ ist: Kindern und Jugendlichen vielfältige Bildungserfahrungen zu ermöglichen, die viele von ihnen sonst nicht machen würden. Denn die Ferienschulen umfassen grundlegende Bereiche unserer Kultur: Naturerfahrung und Naturwissenschaft, Kunst, Musik und Theater, Handwerk und Technik, Sport und Spiel, Film und Medien, Erkundung der Stadt, der Umgebung und der Berufswelt.

Kinder und Jugendliche sind mit vielerlei schulischen Aufgaben und Anforderungen konfrontiert, insbesondere auch in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Corona-Pandemie geprägt sind. Viele von ihnen waren, trotz Bemühungen von Lehrkräften, damit überfordert; insbesondere die Kinder aus sozial benachteiligten Familien wurden weiter „abgehängt“. Was ihnen fehlte, waren die persönliche Begegnungen und das Lernen in Gemeinschaft. Dieses konnten die Kinder und Jugendlichen in der Sommer- und Herbstferienschule des Projektes „Alle Kinder mitnehmen“ nachholen. Der Fokus wurde dabei auf spannende Bildungserlebnisse gelegt, bei denen „nebenbei“ auch viel gelernt wurde. Im Mittelpunkt standen gemeinsame interessante Herausforderungen und Erfahrungen, das gemeinsame Lernen und der Kontakt untereinander.

Hier ein Überblick über die vielfältigen Angebote, Themen und Aktionen im Herbst 2020:

Naturerlebnis im Dorf Sentana

In der ersten Herbstferienwoche waren sechs Kinder auf dem Begegnungs- und Gnadenhof „Dorf Sentana“ zu Gast und haben die dort lebenden Tiere kennengelernt. Auf dem Programm stand das Ausmisten des Paddocks auf dem die Ponys und Esel leben, das Füttern der Schafe mit Äpfeln und Möhren sowie Spaziergänge und Spiele im angrenzenden Wald. Ganz nah kamen die Kinder den Tieren beim Tierkontakt in Kleingruppen. Gemeinsam wurde zudem überlegt, was Schweine und Hühner eigentlich alles brauchen, um glücklich zu sein.

Feuerforscher

Rund um das „Grüne Haus“ des Naturkundemuseums wurden fünf Kinder zu Feuerforscher*innen. Bei einer Brandschutz-Rallye haben sie gelernt, wie man mögliche Gefahren im Haushalt erkennt und was bei einem Brandfall zu tun ist. Auf den Spuren der ersten Menschen wurden Techniken des Feuermachens erforscht, aber auch das Löschen vielseitig erprobt. Neben der Durchführung spannender Experimente war bei der Herstellung von Zeichenkohle Kreativität gefragt. Zum Abschluss der Woche konnten die Kinder gemeinsam am selbst entfachten Lagerfeuer Brot und Marshmallows rösten.

Ball- und Bewegungsspiele

In der Sportgruppe „Ball- und Bewegungsspiele“, die sich an etwas ältere Jugendliche richtete, stand die Freude an der Bewegung im Mittelpunkt. Beim gemeinsamen Sport in der Sporthalle der Laborschule sind zwischen den zehn Jugendlichen neue Freundschaften entstanden. Auch wenn am Ende der Woche alles weh tat, nämlich die Beine vom Laufen, die Füße vom Treten, die Arme vom Klettern und der Kopf vom Denken: „Wir kommen auf jeden Fall wieder!“, waren sich die Teilnehmer*innen zum Abschluss der sportlichen Ferienschule einig.

Herbst in Bielefeld 1 und 2

Ein abwechslungsreiches Programm erlebten die Kinder der beiden „Herbst in Bielefeld“-Gruppen. Die jeweils sechs Teilnehmer*innen haben eine Woche lang gebastelt, geklebt, gebügelt, ausgeschnitten, ausgemalt und gekleistert. Als Ergebnisse konnten sie am Ende der Woche unter anderem Laternen, Schlüsselanhänger, kunterbunte Windlichter oder Wachsbilder mitnehmen. Während die Gruppe im Bauernhausmuseum lernte Filzbilder und Leinen herzustellen, hat sie im Tierpark die heimischen Tiere besser kennengelernt und jede Menge Bastelmaterialien, wie Kastanien und wunderschönes Herbstlaub sammeln können.

Reiterferien

Auch in diesem Jahr waren acht Grundschulkinder auf Völkers Reiterhof mitten im Lipperland zu Gast. Die Kinder erlebten bäuerliches Leben mit Hühnern und verbrachten viel Zeit mit den Pferden und Ponys. Sie putzten die Tiere, lernten Reiten und alles, was dazu gehört. Das Highlight in diesem Jahr war die Minidisco in der Reithalle mit Schwarzlicht und toller Musik. Aber auch die anderen Aktivitäten wie das Lagerfeuer mit Stockbrot, Fußballspielen auf den Pferden und Hexengläser basteln hat den Kindern viel Spaß bereitet.

Band Camp

Eine Woche als Band. Gemeinsam mit den „Bethel Band Camps“ haben sieben Kinder und Jugendliche beim „Band Camp“ in der Aula der Sekundarschule Gellershagen gemeinsam Musik gemacht. Die Teilnehmer*innen machten sich zu Beginn der Woche zunächst mit den Instrumenten vertraut, teilten sie auf und entwickelten dann ihren eigenen Song. Das Schöne dabei: Musikalische Vorerfahrungen waren nicht erforderlich, der Spaß an der Musik stand im Vordergrund. Stolz können die Teilnehmer*innen nun ihren ersten eigenen Song auf CD präsentieren.

Lebendiges Lernen in Corona-Zeiten

Über 150 Kinder nahmen – trotz erschwerter Bedingungen – in diesen Sommerferien an der Ferienschule von TABULA e.V. teil. Sie erkundeten den Wald und die Natur, machten Fahrradtouren, trieben Sport, spielten Theater, recherchierten im Internet, verbrachten einen Tag auf einem Reiterhof oder im Kletterpark oder in einem Museum, kümmerten sich um Tiere, waren „Stars“ in Filmprojekten oder als „Reporter“ in der Stadt unterwegs… und lernten in diesen Ferien vor allem eins, so die TABULA-Vereinsvorsitzende Annemarie von der Groeben: „Wie schön es sein kann, gemeinsam mit anderen neue Erfahrungen zu machen und etwas Besonderes zu leisten“.

Einen großen Anteil an der Sommerferienschule 2020 hatten auch in diesem Jahr Studierende der Universität Bielefeld. Nach kurzer Vorbereitung im Rahmen eines Seminars arbeiteten sie in den Sommerferien unter der Regie des Vereins TABULA in drei Projekten: „Ferien rund um die eigene Schule“ an der Laborschule, „Sport und Sprache“ in Kooperation mit „Bielefeld United“ an der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesamtschule Stieghorst sowie „Traumferien“ für Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zu TABULA kommen.

Die Angebote der Sommerferienschule 2020 wurden filmisch dokumentiert. Hier können Sie sich selbst einen Einblick verschaffen: https://tabula-bielefeld.de/film_tabula_sommerferienschule_2020/


Jihan und Romy mit Oberbürgermeister Pit Clausen im Alten Rathaus

Zwei Teilnehmerinnen der TABULA-Sommerferienschule 2020 – Jihan und Romy – besuchten den Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld Pit Clausen im Rathaus und führten ein Interview mit ihm. Der Oberbürgermeister antwortete auf alle Fragen und gab nicht nur den beiden Mädchen, sondern allen Kindern und Jugendlichen eine wichtige Botschaft mit: „Danke, dass ihr euch interessiert, neugierig seid auf neue Dinge, Begegnungen und das Lernen. Bewahrt euch diese Neugierde, denn nur damit kommt man gut durchs Leben!“ Interview mit Oberbürgermeister Pit Clausen


In Bielefeld sollen Kinder und Jugendliche nicht zu Bildungsverlierern werden. Alle sollen in der Schule mitkommen, mit Freude lernen und individuell gute Leistungen erreichen können. Sie sollen sich und ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln, ihr Leben in die eigene Hand nehmen und ihren Platz in unserer Gesellschaft finden können.

Das bedeutet konkret:

Schulen bejahen die Unterschiedlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Schule ist für die ihr anvertrauten Kinder da, nicht umgekehrt.

Schulen entwickeln ihre Pädagogik und Didaktik der Vielfalt auf der Grundlage dieser Haltung weiter: Der Unterricht zielt auf gemeinsames und individuelles Lernen, auf Integration und Inklusion, nicht auf Selektion. Alle Schülerinnen und Schüler werden entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnissen zum Lernen herausgefordert und optimal gefördert. 

Alle Kinder wachsen durch aktive Teilhabe in unsere Kultur hinein. Ein ganzheitliches Bildungskonzept ermöglicht die Entwicklung aller Fähigkeiten und Begabungen.

Soziale Benachteiligung wird durch intensive individuelle Begleitung, Beratung und Förderung ausgeglichen.

Im Sinne des im Leitbild der Bildungsregion formulierten Ansatzes des gemeinsamen Handelns trägt und unterstützt das Netzwerk „Alle Kinder mitnehmen“ diese Entwicklung. Partner sind: Die Stadt Bielefeld, Bielefelder Schulen, die Universität Bielefeld, insbesondere die Fakultät für Erziehungswissenschaft, der Verein TABULA e.V. sowie Stiftungen und Sponsoren als Unterstützer.

Das Kind im Mittelpunkt – im Bielefelder Netzwerk ´Alle Kinder mitnehmen` – Abb. © Bettina Streese

Das Konzept beruht auf drei Säulen:

Schulentwicklungsarbeit: Schulen entwickeln sich in Richtung Bildungsgerechtigkeit und machen eine langfristige Unterrichts- und Schulentwicklung mit dem Fokus „Lernen – individuell und gemeinsam“ zu einem Schwerpunkt ihrer Schulentwicklungsarbeit: Lehrer*innen schließen sich im Rahmen der Langzeitfortbildung „Werkstatt Bildungsgerechte Schule“* zu professionellen Lerngemeinschaften zusammen. Sie arbeiten daran, der Unterschiedlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler noch besser gerecht zu werden, ihre Unterrichts- und Schulentwicklung an diesem Ziel auszurichten. Alle Kinder sollen individuell bestmöglich lernen und sich entwickeln können.

(*Inhalte der Qualifizierungsbausteine: Alle Kinder mitnehmen im Unterricht – individuelles und gemeinsames Lernen; Ganzheitliches Lernen – die Sache als Lehrmeister I – Schwerpunkt Fächerverbindendes Lernen; Ganzheitliches Lernen – die Sache als Lehrmeister II – Schwerpunkt Fachbezogenes Lernen; Individuelle Lern- und Leistungsprofile; Schulentwicklungsziel Bildungsgerechtigkeit)

Ehrenamt und Studierende: Kinder und Jugendliche, die Unterstützung benötigen, werden begleitet und gefördert: Ehrenamtliche und Studierende begleiten sie bei ihrer Entwicklung, ihrem Aufwachsen und Lernen.

Ferienschule: In den Ferien werden den Kindern und Jugendlichen Bildungserfahrungen angeboten, die viele von ihnen sonst nicht machen würden: Die von TABULA e.V. auch in Kooperation mit der Stadt Bielefeld entwickelten Ferienschulangebote ermöglichen ihnen vielfältige kulturelle Teilhabe.

Zum Schuljahr 2020/21 startete der 5. Durchgang des Projektes, an dem folgende Schulen teilnehmen: Hellingskampschule, Stieghorstschule, Sekundarschule Gellershagen, Gesamtschule Rosenhöhe, Friedrich-Wilhelm-Murnau Gesamtschule, Laborschule, Realschule Senne und Realschule Jöllenbeck


Im Rahmen des Projekts „Alle Kinder mitnehmen” unterstützt der Verein Tabula e.V. in Zusammenarbeit mit den Bündnispartnern Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer sozialen Herkunft geringere Bildungschancen haben als andere.