Bildungsbündnis „Alle Kinder mitnehmen“

Bielefelder Schulen, die Stadt und die Universität haben mit dem Verein TABULA e.V. das Netzwerk „Alle Kinder mitnehmen“ aufgebaut. Das gemeinsame Ziel: Alle Kinder sollen sich und ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln können.

Dies spiegelt sich auch im Leitbild der Bildungsregion Bielefeld: „BILDUNG³ in Bielefeld – gerecht ganzheitlich gemeinsam“, in dem Bildungsgerechtigkeit ein Leitziel ist.

Die Erfolge dieses Bildungsbündnisses zeigen, dass Bildungsungerechtigkeit durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Kräfte begegnet werden kann. Die Arbeit und das Netzwerk sollen weiter verstetigt und ausgeweitet werden. Denn das leitende Ziel ist Bildungsgerechtigkeit. Der Begriff Bildung ist dabei, wie auch im Leitbild der Bildungsregion, ganzheitlich gefasst und beinhaltet ausdrücklich auch außerschulische Lerngelegenheiten.


Oberbürgermeister Pit Clausen im Interview mit Jihan & Romy (v.l.n.r.)

TABULA-Interview mit Oberbürgermeister Pit Clausen

Da das große bunte Abschlussfest der TABULA-Sommerferienschule in diesem Jahr mit den Kindern und Jugendlichen, Teamern, Ehrenamtlichen, Studierenden, Eltern, Geschwistern, Lehrkräften, Bündnispartnern und Freunden des Projektes „Alle Kinder mitnehmen“ auf Grund von Corona nicht stattfinden konnte, gab es als kleines „Highlight“ für alle ein Interview mit Oberbürgermeister Pit Clausen. Dieses führten zwei Ferienschul-Kinder, Jihan und Romy, die ihn im Rathaus besuchen durften. Der Oberbürgermeister antwortete auf alle Fragen und gab den Kindern und Jugendlichen diese Botschaft mit: „Danke, dass ihr mitmacht, euch interessiert, neugierig seid auf neue Dinge, Begegnungen und das Lernen. Bewahrt euch diese Neugierde, denn nur damit kommt man gut durchs Leben! Danke auch denjenigen, die das ermöglichen.“

Lebendiges Lernen in Corona-Zeiten

Über 150 Kinder nahmen – trotz erschwerter Bedingungen – in diesen Sommerferien an der Ferienschule von TABULA e.V. teil. Sie erkundeten den Wald und die Natur, machten Fahrradtouren, trieben Sport, spielten Theater, recherchierten im Internet, verbrachten einen Tag auf einem Reiterhof oder im Kletterpark oder in einem Museum, kümmerten sich um Tiere, waren „Stars“ in Filmprojekten oder als „Reporter“ in der Stadt unterwegs… und lernten in diesen Ferien vor allem eins, so die TABULA-Vereinsvorsitzende Annemarie von der Groeben: „Wie schön es sein kann, gemeinsam mit anderen neue Erfahrungen zu machen und etwas Besonderes zu leisten“.

Das ist das Konzept aller Ferienschulen im Projekt „Alle Kinder mitnehmen“: Kindern und Jugendlichen vielfältige Bildungserfahrungen zu ermöglichen, die viele von ihnen sonst nicht machen würden. Denn die Ferienschulen umfassen grundlegende Bereiche unserer Kultur: Naturerfahrung und Naturwissenschaft, Kunst, Musik und Theater, Handwerk und Technik, Sport und Spiel, Film und Medien, Erkundung der Stadt, der Umgebung und der Berufswelt.

Kinder und Jugendliche sind mit vielerlei schulischen Aufgaben und Anforderungen konfrontiert, insbesondere auch in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Corona-Pandemie geprägt sind. Viele von ihnen waren, trotz Bemühungen von Lehrkräften, damit überfordert; insbesondere die Kinder aus sozial benachteiligten Familien wurden weiter „abgehängt“. Was ihnen fehlte, waren die persönliche Begegnungen und das Lernen in Gemeinschaft. Dieses konnten die Kinder und Jugendlichen in der Ferienschule des Projektes „Alle Kinder mitnehmen“ nachholen. Der Fokus wurde dabei auf spannende Bildungserlebnisse gelegt, bei denen „nebenbei“ auch viel gelernt wurde. Im Mittelpunkt standen gemeinsame interessante Herausforderungen und Erfahrungen, das gemeinsame Lernen und der Kontakt untereinander.

Einen großen Anteil daran hatten auch in diesem Jahr Studierende der Universität Bielefeld. Nach kurzer Vorbereitung im Rahmen eines Seminars arbeiteten sie in den Sommerferien unter der Regie des Vereins TABULA in drei Projekten: „Ferien rund um die eigene Schule“ an der Laborschule, „Sport und Sprache“ in Kooperation mit „Bielefeld United“ an der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesamtschule Stieghorst sowie „Traumferien“ für Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zu TABULA kommen.


In Bielefeld sollen Kinder und Jugendliche nicht zu Bildungsverlierern werden. Alle sollen in der Schule mitkommen, mit Freude lernen und individuell gute Leistungen erreichen können. Sie sollen sich und ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln, ihr Leben in die eigene Hand nehmen und ihren Platz in unserer Gesellschaft finden können.

Das bedeutet konkret:

Schulen bejahen die Unterschiedlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Schule ist für die ihr anvertrauten Kinder da, nicht umgekehrt.

Schulen entwickeln ihre Pädagogik und Didaktik der Vielfalt auf der Grundlage dieser Haltung weiter: Der Unterricht zielt auf gemeinsames und individuelles Lernen, auf Integration und Inklusion, nicht auf Selektion. Alle Schülerinnen und Schüler werden entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnissen zum Lernen herausgefordert und optimal gefördert. 

Alle Kinder wachsen durch aktive Teilhabe in unsere Kultur hinein. Ein ganzheitliches Bildungskonzept ermöglicht die Entwicklung aller Fähigkeiten und Begabungen.

Soziale Benachteiligung wird durch intensive individuelle Begleitung, Beratung und Förderung ausgeglichen.

Im Sinne des im Leitbild der Bildungsregion formulierten Ansatzes des gemeinsamen Handelns trägt und unterstützt das Netzwerk „Alle Kinder mitnehmen“ diese Entwicklung. Partner sind: Die Stadt Bielefeld, Bielefelder Schulen, die Universität Bielefeld, insbesondere die Fakultät für Erziehungswissenschaft, der Verein TABULA e.V. sowie Stiftungen und Sponsoren als Unterstützer.

Das Kind im Mittelpunkt – im Bielefelder Netzwerk ´Alle Kinder mitnehmen`

Das Konzept beruht auf drei Säulen:

Schulentwicklungsarbeit: Schulen entwickeln sich in Richtung Bildungsgerechtigkeit und machen eine langfristige Unterrichts- und Schulentwicklung mit dem Fokus „Lernen – individuell und gemeinsam“ zu einem Schwerpunkt ihrer Schulentwicklungsarbeit: Lehrer*innen schließen sich im Rahmen der Langzeitfortbildung „Werkstatt Bildungsgerechte Schule“* zu professionellen Lerngemeinschaften zusammen. Sie arbeiten daran, der Unterschiedlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler noch besser gerecht zu werden, ihre Unterrichts- und Schulentwicklung an diesem Ziel auszurichten. Alle Kinder sollen individuell bestmöglich lernen und sich entwickeln können.

(*Inhalte der Qualifizierungsbausteine: Alle Kinder mitnehmen im Unterricht – individuelles und gemeinsames Lernen; Ganzheitliches Lernen – die Sache als Lehrmeister I – Schwerpunkt Fächerverbindendes Lernen; Ganzheitliches Lernen – die Sache als Lehrmeister II – Schwerpunkt Fachbezogenes Lernen; Individuelle Lern- und Leistungsprofile; Schulentwicklungsziel Bildungsgerechtigkeit)

Ehrenamt und Studierende: Kinder und Jugendliche, die Unterstützung benötigen, werden begleitet und gefördert: Ehrenamtliche und Studierende begleiten sie bei ihrer Entwicklung, ihrem Aufwachsen und Lernen.

Ferienschule: In den Ferien werden den Kindern und Jugendlichen Bildungserfahrungen angeboten, die viele von ihnen sonst nicht machen würden: Die von TABULA e.V. auch in Kooperation mit der Stadt Bielefeld entwickelten Ferienschulangebote ermöglichen ihnen vielfältige kulturelle Teilhabe.

Zum Schuljahr 2020/21 startete der 5. Durchgang des Projektes, an dem folgende Schulen teilnehmen: Hellingskampschule, Stieghorstschule, Sekundarschule Gellershagen, Gesamtschule Rosenhöhe, Friedrich-Wilhelm-Murnau Gesamtschule, Laborschule, Realschule Senne und Realschule Jöllenbeck


Im Rahmen des Projekts „Alle Kinder mitnehmen” unterstützt der Verein Tabula e.V. in Zusammenarbeit mit den Bündnispartnern Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer sozialen Herkunft geringere Bildungschancen haben als andere.