10. Februar 2026 09:00 bis 15:45

Gleiche Chancen in unterschiedlichen Lebenswelten!? Bildung in Bielefeld im Fokus

Mit einem Fokus auf Chancengleichheit und schulische Segregation hat die 10. Bildungskonferenz der Bildungsregion Bielefeld im Freizeitzentrum Baumheide stattgefunden. 200 Vertreter*innen aus Verwaltung, Wissenschaft, Bildungspraxis, Zivilgesellschaft sowie junge Menschen aus Bielefeld kamen zusammen, um Ursachen, Folgen und konkrete Handlungsansätze für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildungsregion zu diskutieren.

„Wir stehen weiterhin vor der großen Herausforderung, dass Bildungsbiografien junger Menschen in erheblichem Maße durch soziale Herkunft sowie durch den Wohnort beeinflusst werden. Als Stadt Bielefeld nehmen wir diesen Zustand nicht einfach hin: Wir investieren bewusst auch erhebliche Mittel in freiwillige Leistungen, um positive Entwicklungen zu ermöglichen und nachhaltig zu stärken.“

Dr. Christiana Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld

Eröffnet wurde die Konferenz von Dr. Christiana Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld, die in ihrem Grußwort die Bedeutung des Themas der Bildungskonferenz betonte. Unter dem Titel „Bielefelder Stimmen – Perspektiven aus der Bildungsregion“ beleuchteten verschiedene Akteur*innen die Situation vor Ort: Ein datengestützter Überblick zur Bildungsungleichheit in Bielefeld, Einblicke in arbeitsmarktpolitische Perspektiven junger Menschen, Erfahrungen aus der schulischen Praxis in Baumheide sowie Beiträge zu den Lebenswelten benachteiligter Jugendlicher machten deutlich, wie vielschichtig die Herausforderungen sind und wie wichtig abgestimmtes Handeln bleibt.

Einen wissenschaftlichen Schwerpunkt setzte die Keynote von Dr. Matthias Forell von der Ruhr-Universität Bochum. Er zeigte auf, wie Strukturbedingungen und Selektionsmechanismen Bildungsbiografien beeinflussen und welche Rolle Kommunen bei der Gestaltung gerechterer Bildungswege einnehmen können. Weiterführend arbeiteten die Teilnehmenden in sechs parallelen Praxisworkshops an konkreten Fragestellungen, von Elternkooperation und multiprofessioneller Zusammenarbeit in Schule über quartiersbezogene Präventionsarbeit bis hin zu migrationssensiblen Übergängen von der Schule in den Beruf. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Erfahrung aus der Bildungsarbeit vor Ort. Im anschließenden Austausch wurde die Übertragbarkeit auf die Stadt Bielefeld ausgelotet. Schließlich wurden Wünsche für die Weiterentwicklung, unter anderen durch die Gremien der Bildungsregion, gesammelt.

Präsentation schulischer Projekte
(v. l. n. r.  Julia Marth (Bildungsbüro, Stadt Bielefeld), Lenja von Grawert (Moderation), Bryan Berndt (Hans-Ehrenberg-Schule Sennestadt), Anton Gärtner (Sekundarschule Gellershagen), Mia Lorek (Gesamtschule Rosenhöhe)

Ein wichtiges Element der Konferenz war die Beteiligung junger Menschen. Im Programmpunkt „Jugendbeteiligung und Bildungsungleichheit“ stellten einige Jugendliche und junge Erwachsene Perspektiven und schulische Projekte von Jugendlichen vor. Diese stellten sie als wichtige Grundlage für zukünftige Entscheidungen vor.

Birgit Beckermann, Dezernentin für Schule, Bürger, Kultur und Sport, sowie Ingo Nürnberger, Dezernent für Soziales und Integration, unterstrichen in einem gemeinsamen Fazit am Ende der Konferenz die Notwendigkeit, die Impulse der Bildungskonferenz langfristig in der Bildungsregion zu verankern. Ingo Nürnberger machte dabei deutlich: „Die Ergebnisse und Zahlen des heutigen Tages sind eindeutig: Die Bildungschancen sind auch in unserer Stadt ungleich verteilt. Damit können wir in Bielefeld nicht zufrieden sein.“ Birgit Beckermann zeigte sich für die Zukunft zuversichtlich.

„Wir sind uns bewusst, wie viel wir für junge Menschen verbessern und positiv verändern können. Dazu gehört ein klarer Gestaltungswille, den ich heute bei den Bielefelder Akteur*innen der Bildungskonferenz ebenso wie in der gesamten Stadtgesellschaft deutlich wahrnehme.“

Birgit Beckermann, Dezernentin für Schule, Bürger, Kultur und Sport
Abschluss und Ausblick
(v. l. n. r.: Ingo Nürnberger (Dezernent für Soziales und Integration), Birgit Beckermann (Dezernentin für Schule, Bürger, Kultur und Sport), Tim Vorspel (Moderation), Lenja von Grawert (Moderation))

Zur Bildungskonferenz eingeladen waren engagierte Akteur*innen der Bildungsregion um gemeinsam die Fragen der Bildungsgerechtigkeit und Segregation in Bielefeld in den Blick zu nehmen. In verschiedenen Austauschformaten wurde diskutiert, wie Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – unabhängig von ihrer Lebenswelt – gute Bildungschancen eröffnet werden und welche Voraussetzungen junge Menschen benötigen, um ihre Bildungsbiografie bestmöglich und motivierend gestalten zu können. Im Zentrum der Betrachtung stand die Frage, inwiefern soziale und räumliche Herkunft den Bildungsweg von Schüler*innen beeinflussen und welche Konsequenzen dies für Chancengleichheit, Bildungsbiografien sowie gesellschaftliche Teilhabe nach sich zieht. Dabei wurden die herausfordernden Rahmenbedingungen auf individueller wie auch auf institutioneller Ebene in den Blick genommen, um das Ziel der Chancengleichheit weiterzuverfolgen und praxisnahe Lösungsansätze in den Mittelpunkt zu stellen.

Wissenschaftlicher Impuls
Dr. Matthias Forell von der Ruhr-Universität Bochum führte mit seiner Keynote fachlich fundiert in das Thema Segregation und Ungleichheit im Bildungssystem ein. Er beleuchtete zentrale Zusammenhänge rund um Bildungsübergänge, Bildungsgerechtigkeit sowie sozialraumorientierte Schulentwicklungsprozesse. Seine Forschungsergebnisse boten einen fachlichen Rahmen, der die anschließenden Diskussionen und Austauschformate inhaltlich vertiefte und bereicherte.

Praxisworkshops zur Vertiefung der Themen
In sechs parallelen Workshops wurden die zentralen praxisnahen Themen der Bildungsungleichheit aufgenommen – unterstützt durch externe Expert*innen – und mögliche Lösungsansätze diskutiert. Die Workshops thematisierten die Zusammenarbeit mit Eltern, die Perspektiven junger Menschen, Quartiere als Bildungslandschaften, gelingende Bildungsübergänge, die Gestaltung von Bildungseinrichtungen sowie die Kooperation verschiedener Professionen an Schnittstellen der Bildungsarbeit. Darüber hinaus waren junge Menschen, wie bereits in der Bildungskonferenz 2024, mit einem eigenen Workshop eingebunden.

Programm  

08.30 UhrEinlass und Anmeldung (Stehkaffee)
09.00 Uhr Start der Veranstaltung
09.05 UhrEröffnung der Bildungskonferenz 2026
Dr. Christiana Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld
09.20 UhrBielefelder Stimmen – Perspektiven aus der Bildungsregion

+ Bildungsungleichheit und schulische Segregation in Bielefeld – ein datengestützter Überblick, Stefan Wagener, Bildungsbüro Bielefeld

+ Mehr Chancengerechtigkeit für BielefeldHerausforderungen und Potenziale, Oliver Wittler, REGE mbH

+ Bildungspraxis für die Baumheide – Perspektiven aus der Wellbachschule, Volker Begemann, Wellbachschule Bielefeld

+ Junge Menschen im BlickLebenswelten benachteiligter Jugendlicher zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Christine Meier und Dr. Markus Schäfer, Verein BAJ e. V.
10.15 UhrKeynote
Bildungssegregation und Bildungsungleichheit. Zum Einfluss von Strukturbedingungen und Selektionsmechanismen auf Bildungsbiografien

Dr. Matthias Forell, Ruhr-Universität Bochum
11.10 UhrÜberleitung in die Workshops mit Kaffeepause
11.30 UhrParallele Praxisworkshops
Workshop 1
Kooperation zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen – unterschiedliche Perspektiven, gemeinsame Verantwortung


Expertise: Prof. Dr. Elke Wild und Dr. Nicole Fritzler, Universität Bielefeld, Fakultät Psychologie und Sportwissenschaft; Dalel Manaa und Ouaffa Kanousse Elternmoderatorinnen im Projekt „Eltern mischen mit“; Nina Kather, Kommunales Integrationszentrum Bielefeld
Moderation: Jenni Hamkens, Bildungsbüro Bielefeld
Workshop 2
Ungleich. Na und?! Perspektiven junger Bielefelder*innen


Expertise: Gina Settertobulte und Shahin Yüsün, Freizeitzentrum Baumheide zusammen mit Aliyya Begani und Carolin Fengler, Jugendliche aus Baumheide
Moderation: Julia Marth, Bildungsbüro Bielefeld
Workshop 3
Kinder stark machen – Potentiale und Ressourcen quartiersbezogener Arbeit


Expertise: Eva Somrei, Leitung der Pädagogischen Werkstatt in der Wuppertaler Nordstadt; Nicolas Pardey, Projektkoordination Pädagogische Werkstatt Herten
Moderation: Insa Schlumbohm, Bildungsbüro Bielefeld
Workshop 4
Kommunikation, die wirkt – Wie pädagogische Ziele durch gezielte Kommunikation unterstützt werden


Expertise: Kornelius Knettel, Schulleiter, Familiengrundschulzentrum Sonnenstraße, Düsseldorf
Moderation: Dr. Marco Schmidt, Bildungsbüro Bielefeld
Workshop 5
Verschiedene Professionen im Dialog – Multiprofessionelle Kooperation in der Bildungsarbeit


Expertise: Dr. Alessa Schuldt und Tanja Ilic, Universität Bielefeld, Fakultät Erziehungswissenschaft; Daniel Wimmer und Sarah-Kim Böger, Schulsozialarbeit Stadt Bielefeld
Moderation: Jill Brune, Bildungsbüro Bielefeld
Workshop 6
Perspektiven eröffnen, Chancen schaffen, Strukturen verändern – Impulse für eine migrationssensible Gestaltung des Übergang Schule Beruf


Expertise: Laura Buckermann und Kirsten Hölter, Landesstelle Schulische Integration, NRW Migrationssensible Gestaltung des Übergangs Schule Beruf
Moderation: Stefan Wagener, Bildungsbüro Bielefeld
12.30 UhrMittagspause mit Verpflegung
13.15 UhrParallele Praxisworkshops (Fortsetzung)
14.30 Uhr(Fliegende) Kaffeepause mit Kurz-Programm
14.45 UhrJugendbeteiligung und Bildungsungleichheit
15.15 UhrAusblick und Abschied
Birgit Beckermann, Dezernentin für Schule/Bürger/Kultur/Sport und Ingo Nürnberger, Dezernent für Soziales/Integration
15.45 UhrEnde der Veranstaltung

Moderation: Tim Vorspel (Radiomoderator), Lenja von Grawert (im Studium)

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